So oder so ähnlich könnten Sie am Arbeitsplatz emotional herausgefordert sein:

• Ein Mitarbeiter kommt in Ihr Büro und berichtet, dass das neue Projekt, anders als erwartet, nicht erfolgreich ist. Sie werden wütend und schreien ihn an. Beinahe hätten Sie ihm noch einen Gegenstand vom Schreibtisch hinterher geworfen, können sich aber gerade noch beherrschen. Hinterher fühlen Sie sich schlecht.

• Sie fühlen sich seit einigen Wochen erschöpft und ausgelaugt, schlafen nicht gut. Der Arzt kann nichts feststellen und verschreibt Ihnen ein leichtes Schlafmittel. Trotz besseren Schlafs müssen Sie sich zusammenreißen, um zu arbeiten. Sie haben nur noch wenig Freude an Ihrem Leben.

• Ständig fühlen Sie sich unter Strom. Gern würden Sie sich richtig entspannen können, aber wenn Sie sich zu einem Nickerchen hinlegen, kreisen die Gedanken. Selten können Sie richtig ausspannen. Es ist viel in Ihnen los.

Wenn das innere Erleben belastend ist

Mit solchem störenden Erleben sind Sie nicht allein: Viele Millionen Menschen leiden unter diesen oder ähnlichen belastenden inneren Zuständen. Bei etlichen liegen die Ursachen in Erfahrungen, die sie vor allem früh im Leben gemacht haben. Alles, was wir erleben und was eine emotionale Bedeutung für uns hat, speichern wir. Wenn sich Ähnliches oft wiederholt, entwickeln wir mit der Zeit grundlegende Überzeugungen und Glaubenssätze. Und die sind oft aus negativem Erleben gespeist und wirken sich störend aus.

Wie Glaubenssätze uns bestimmen

Die meisten unserer grundlegenden Überzeugungen sind uns nicht bewusst. Und selbst wenn wir sie kennen sollten, sind wir oft nicht einfach so in der Lage, sie zu verändern. Rationales Verstehen und Entscheiden reicht dann nicht aus. Wir fühlen uns unter Umständen sogar wie fremdbestimmt, wir wollen und können doch nicht. Emotionen wie Ärger und Traurigkeit oder körperliche Zustände wie Erregung, Anspannung oder auch Schmerzen scheinen dann Regie zu führen.

Die fünf häufigsten inneren Antreiber und Überzeugungen

Typischerweise haben wir Sätze in uns, die sich in unserem Verhalten auswirken. Bei vielen Menschen sind das:

„Sei stark!“ – „Ich darf mir keine Schwäche leisten.“

„Sei perfekt!“ – „Ich darf keinen Fehler machen.“

„Beeil dich!“ – „Ich darf nicht langsam sein.“

„Streng dich an!“ – „Ich darf nichts auf leichte Art erreichen.“

„Mach´s allen recht!“ – „Ich darf niemanden enttäuschen.“

Vieles von dem, was wir tun, ist durch solche oder ähnliche Sätze bestimmt. Manchmal durch einen, manchmal durch mehrere. Sie sind alle individuell, weil sie mit uns selbst zu tun haben. Wenn wir diese Muster noch nicht erkannt haben, merken wir nicht einmal, was uns da bestimmt. Und oft ist es nicht sinnvoll und förderlich, dass und wie eine Überzeugung unser Denken, Fühlen und Handeln leitet.

Bewusst sich selber führen

Auf den Punkt gebracht: Wir sind der unwillkürlichen eigenen Führung durch unbewusste Überzeugungen weitgehend ausgeliefert. In uns werden wir immer wieder geführt, ohne es zu merken. Wir sind nicht in dem Maß Herr im eigenen Haus, wie es sein sollte. Das gilt prinzipiell für jeden Menschen. Meist steckt hinter diesen Sätzen ein „sonst...“, eine Befürchtung, was geschieht, wenn man sich anders verhält. Deshalb sind die Glaubenssätze so machtvoll und hartnäckig.

Die gute Nachricht: Wir können etwas tun. Es ist förderlich, die unbewusste Selbstführung in eine bewusste zu verwandeln. Die Glaubenssätze zu erkennen. Zu verstehen, welche Aufgabe sie haben. Und dann ein neues Arrangement mit ihnen zu finden.

Selbstführung ist gesund

Die unbewusste in eine bewusste Führung verwandeln: Das kostet etwas, nämlich auf jeden Fall

1.     Mut aufbringen, um sich dem zu stellen

2.     Zeit investieren, um sich darauf einlassen zu können

Das ist wichtig zu wissen. Die Frage: Ist es mir das wert?

Denn gleichzeitig ist es ein lohnendes Unterfangen. Je mehr ich aus einer inneren Ruhe und Stärke agiere, desto gesünder ist es für mich. Es wirkt sich auf das gesamte Stress-System und damit auf die gesamten Vorgänge im Körper aus. So werden tatsächlich etwa das Herz-Kreislauf-System und entzündliche Prozesse beeinflusst. Und die sind verantwortlich für viele gesundheitliche Probleme.

Veränderung zu scheuen ist normal

Menschen mögen keine Veränderung, das ist in uns so angelegt. Sicherheit ist lebensnotwendig, und das Bedürfnis danach steht einer noch so notwendigen Veränderung in der Regel im Weg. Wir wollen, das alles bleibt wie es ist, weil das keine Gefahr bedeutet. Wie verständlich!

Veränderung, zumal wenn sie uns viel kostet, ist ein Prozess. Es dauert, bis wir uns darauf einlassen können und wollen. Das heißt, es gibt eine Ablehnungsphase, bevor wir uns dem Thema widmen und nach und nach erfahren, dass die Veränderung positiv für uns ist.

Das kann folgendermaßen aussehen:

Die 7 Phasen der Veränderung nach John P. Kotter

1.     Schock, Apathie

2.     Verneinung, Ablehnung

3.     Auseinandersetzung, rationale Einsicht („Ja, aber...“)

4.     Emotionale Einsicht, Akzeptanz

5.     Ausprobieren, Trial and Error

6.     Erkenntnis, Selbstsicherheit

7.     Integration, Routine

Das heißt: Irgendwann ist das neue, veränderte Denken, Fühlen und Handeln normal geworden und ins Leben integriert. Für das Einsteigen in den Prozess braucht es Vertrauen darauf, dass etwas Gutes entsteht. Und das ist meist der Knackpunkt.

Vertrauen bekomme ich nicht einfach so, wie auf Knopfdruck. Vertrauen will aufgebaut werden. Und dabei hilft Resilienz - innere Stärke.

Resilienzfaktoren unterstützen

Der Begriff „Resilienz“ – innere Stärke, Widerstandskraft, Elastizität – ist heute recht verbreitet. Die Frage, wie sie gefördert werden kann, interessiert im Berufs- wie im Privatleben. Kein Wunder bei steigenden Krankheitszahlen durch seelische Belastungen, immer mehr Fällen von Burnout und Depression.

Resilienz ist wichtig, sie kann allerdings nicht trainiert werden wie zum Beispiel reines Zeit- oder Projektmanagement. Unsere Psyche ist sehr komplex, ihr kann nicht so einfach etwas beigebracht oder verordnet werden. Gefühle wie Angst oder Wut spielen eine große Rolle und können Gründe für Ausweichmanöver oder Ablehnung sein. Dem liegen in der Regel mit diesen Emotionen verknüpfte Erfahrungen zugrunde. Hilfreich ist dann eine Haltung von Verständnis und Akzeptanz. Und zwar mit sich selbst.

Resilienz stärkende Haltungen und Verhaltensweisen unterstützen den Prozess hin zu einer gesunden Selbstführung. Sie anzustreben ist auf jeden Fall förderlich. Der Dachverband der amerikanischen Psychologen empfiehlt folgende Einstellungen und Verhaltensweisen für innere Stärke:

10 Wege zu mehr Resilienz

1.     Knüpfe positive soziale Beziehungen!

2.     Sehe Krisen als zu überwinden an!

3.     Akzeptiere, dass Veränderung zum Leben dazugehört!

4.     Geh auf deine Ziele zu!

5.     Entscheide dich!

6.     Suche Möglichkeiten, dich selbst zu erforschen!

7.     Nähre eine positive Sicht von dir selbst!

8.     Bewahre die Dinge im Blick!

9.     Erhalte dir eine hoffnungsvolle Perspektive!

10.   Kümmere dich um dich!

Und wenn dir das alles schwer fällt: Hol dir Hilfe dazu!

(American Psychological Association 2008)

Wir wünschen Ihnen, dass Sie Ihren eigenen guten Weg finden wollen, dass Sie ihn herausfinden und dann auch gehen.

Viel Freude dabei!

Ihre Karin & Günther Höhfeld

Und wenn Sie gleich etwas unternehmen wollen:

Emotionen im Business:

Sich selbst gut und gesund führen


Es gibt keinen Augenblick im Leben, in dem wir nicht einen neuen Weg einschlagen könnten.
— Charles de Foucauld, Offizier, Forscher, Mönch